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Am nächsten Morgen treibt die Nikotinabstinenz weitere Blüten. Salim hat sich nicht beruhigt, er ist auf Jones. Nach dem Frühstück mit Schmelzkäseecken auf Toastbrot, machen sich Salim und Samir zu Fuss auf ins Village. Wollen schon bald wieder zurück sein. Sie scheuen nicht die Strecke.

Als sie allein im Camp ist, beschliesst sie, das Pflegeprogramm zu starten. Salim hatte ihr empfohlen, am Nachmittag zu duschen, da sich das Wasser bis dahin im Wasserbehälter auf dem Dach der Duschen der Blechhütten bereits aufgeheizt hätte. Obwohl es trotz Dezember heiss ist, ist das Wasser am Nachmittag so kalt, wie man sich ein schönes Bier wünschen würde. Sie testet ihre Schmerzgrenze an den Beinen. Die Tropfen stechen auf der Haut. Ihrem Körper wird sie das nicht zumuten. Soviel ist klar. Nachdem sie ja sowieso bald den Hungertod sterben wird, ist es nun auch schon egal. Sie haben ihr eine Käseecke dagelassen. Als könnte das ihr Überleben sichern.

Das Kabel ihres Kopfhörers ist gebrochen. Wochenlang hatte sie zuhause Musik gerippt. Die Stille ist kaum zu ertragen. Als dann noch Fliegen munter im Mezzosopran in die Melodie ihres Tinnitus einstimmen, wäre sie fast bereit gewesen, das gegen die Strapazen der Dusche auf sich zu nehmen. Fliegen sind eine Erfindung des Teufels. Herr, schick ihr bitte Fliegenfänger! Jedes Paradies hat seine Schattenseite. Käseecken ebenfalls. Lieber eine Taube in der Hand als eine Käseecke auf dem Blechdach.

Als sie nicht mehr davon ausgeht, dass noch einer der Männer heute Nacht ins Camp zurückkommen würde, sammelt sie Feuerholz, macht Feuer, füllt die kleinen Petroleumlampen, die sie in dem Wirtschaftsgebäude findet, stattet die Gaslampen mit neuen Glühstrümpfen, einer Art Lampions, aus und bereitet ihr Schlaflager im Freien auf dem Fels, der von vorne aussieht wie ein schlafender Drache. Die Fliegen sind weg. Als die Vorbereitungen gewissenhaft fast abgeschlossen sind und ein berauschender Sonnenuntergang die Nacht einlädt, durchbricht ein Lichtkegel ihre Beschäftigtheit. Von ihr unerwartet fährt ein Auto vor. Ihre beiden Helden sind zurück. Muhamad hat sie wohl gebracht und fährt wieder zurück. Samur und Salim sind frisch geduscht, frisch gekleidet, mit Zigaretten ausgestattet und bei guter Laune. Sie haben Essen mitgebracht. Und Käseecken.

Was sie heute über Käseecken denkt, kann sich jeder selbst ausmalen.

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